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Grossvater war im Krieg

Es ging nach 1945 nicht mehr um Rasse oder um Nation, aber von einer Orientierung an demokratischen Werten konnte so wenig die Rede sein wie von einem Versuch, das Versprechen einer humanistischen Bildung einzulösen, in der Menschen gefördert und nicht die Spreu vom Weizen getrennt wird. Wer versagte, erwies seine Minderwertigkeit – wer ein Zitat nicht kannte, die Grammatik nicht beherrschte, Schreibfehler machte, war auch als Mensch nichts wert.


Das Notmatriarchat

Gleicht die Familie des Patriarchats der Pyramide, von deren Spitze aus der Hausvater über Frauen, Kinder und Dienstboten regiert, so wird sie in Kriegszeiten zu einem Kunstgebilde, einem Notmatriarchat. Frauen halten den leeren Mantel des Patriarchen hoch, treffen dahinter aber alle Entscheidungen.
Die Mütter sind durch die multiplen Rollenanforderungen überfordert und ungeduldig. Verspielte oder fordernde Kinder stören in der Aufrechterhaltung des Lebensnotwendigen. Wenn der Vater fehlt oder stark traumatisiert und dadurch nicht belastbar ist, kann sich die Autonomie des Kindes nur eingeschränkt entwickeln. Es fehlt der Dritte, der es erleichtert, sich aus der engen Bindung an die Mutter zu befreien. Kinder werden in den traumatisierten Familien funktionalisiert; der Raum, in dem sie spielen, sich erproben, sich kennenlernen könnten, bleibt ihnen versagt.

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