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Grossvater war im Krieg

Klaus, der Sohn eines Stalingrad-Überlebenden, kam angesichts der drohenden Trennung von seiner dritten Frau in Behandlung. Er hatte heftige Ängste und Depressionen mit Suizidwünschen, aber er sprach über Frauen mit einem zynischen Dünkel – etwa in dem Sinn: wenn ein Mann ein Jahr eine Frau mit großem Busen genossen habe, sehne er sich nach Abwechslung und wünsche sich eine Partnerin mit knabenhafter Figur. Er sei da ehrlich, er habe das immer offen gesagt, zum Dank hätten ihn seine Partnerinnen verlassen.

Klaus hatte sich während der Gefangenschaft des Vaters eng an die Mutter gebunden. Der Vater hatte eine Geliebte und blieb über Nacht außer Haus. Die vernachlässigte Mutter ließ Klaus in ihrem Bett schlafen und schmiedete mit ihm Pläne, sich vom Vater zu trennen.
Sobald der Vater seiner Geliebten überdrüssig wurde und der Mutter versprach, es sei vorbei, wurde Klaus verstoßen. Die Mutter verbündete sich mit ihrem Ehemann gegen den zornig weinenden Sohn. Beide verspotteten Klaus als Prinzen, der noch ein wenig warten müsse, ehe sein Dornröschen sich von ihm wach küssen lassen würde.

Fürsorgliche Gefangennahme

Die traumatisierten Eltern konnten ihre Kinder nicht entspannt in den Frieden und Wohlstand hineinwachsen zu lassen, die es jetzt endlich gab. Sie bereiteten sie mit Mahnungen oder Druck darauf vor, jene Traumatisierungen vorwegzunehmen und sich auf sie einzustellen, welche die Eltern unvorbereitet getroffen, schockiert und überfordert hatten. Sadistische Gesten, welche die Eltern nicht als solche erkennen, sollen dem Wohl der Kinder dienen, die jetzt dem Leben gewappnet entgegentreten können.

Wenn die Kinder der Kriegsgeneration ihren Eltern nahe bleiben wollten, mussten sie deren Depression teilen. Um sich von diesen Eltern zu befreien, bauten die später 68er genannten Kinder der Traumatisierten eine manische Abwehr auf, griffen zu einer totalen Kulturkritik, verehrten die Künder einer Weltrevolution. Damit verloren sie aber auch an innerem Halt.

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