Autor: W.S.

Die Macht der Religion (Teil 2)

Warum der Mensch sich Gott erschuf–(Fortsetzung von Teil 1)

In den drei Jahren nach 1930 – Hubbard ist 19 Jahre alt – behauptet der Gründervater von Scientology folgende Taten verrichtet zu haben: Er hat Ingenieurswesen sowie Atom- und Molekularphysik studiert, ist Drill-Sergeant bei den Marines geworden und hat dort eine preisgekrönte Kompanie aufgebaut, trat als Balladensänger auf, schrieb Hörspiel-Serien, war Landvermesser, lernte Segelfliegen, wurde einer der besten Piloten des Landes, sorgte dafür, dass zwölf gefährliche Flughäfen geschlossen wurden, stellte einen landesweiten Dauersegelflug- Rekord auf, vollendete die erste mineralogische Vermessung von Puerto Rico und erforschte Kulturen und Glaubensrichtungen dieser Gegend, [...]

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Wenn du mir fremd bist, lieb ich dich

Die seelischen Probleme der interkulturellen Partnerschaft

Auf den ersten Blick wirkt das Fremde oft nah – als sei es nur einen Schritt weit entfernt. Erst wenn wir diesen Schritt getan haben, erkennen wir, wie fremd es wirklich ist und wieviel uns noch zur Verständigung fehlt. Als Student lebte ich für eine Weile als Aussteiger in der Toscana und glaubte, wenn ich erst einmal besser italienisch spräche, wäre ich ganz wie meine Nachbarn. Es waren sehr gastfreundliche Menschen, offen und herzlich, ich litt sehr unter meinem Haschen nach verständlichen Worten und meinem Gestammel. Und so lernte ich den toscanischen Dialekt so [...]

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German Angst?

Die Messehallen erinnerten an einen Ameisenhaufen. Kaum eine Ameise wusste von den Absichten und Zielen der anderen. Da rund 60 000 Neuerscheinungen vorzustellen waren, vermutete ich in vielen dieser Ameisen einen Autor wie mich selbst und stellte mir vor, er trüge „sein“ Buch bei sich, wie die rote Waldameise eine Fichtennadel in ihren Kiefern trägt, um die Ameisenburg höher zu bauen.

Jeder Reporter, der mir während meines Besuchs auf der Frankfurter Buchmesse über den Weg lief, wollte etwas über sie wissen: die German Angst. Und ich wollte dazu etwas sagen, schliesslich ging es darum, mein neues Buch über das „Lebensgefühl [...]

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Guter Rat ist billig

Als ich mich vor 26 Jahren scheiden lassen wollte, musste ich es irgendwann auch meiner Mutter sagen. Sie riet mir energisch ab ab. Wer heiratet, muss sich vorher überlegen, auf was er sich einlässt. Es geht nicht an, eine Ehe aufzulösen. „Du musst dich zusammennehmen und die Sache durchstehen!“ Als ob ich mir das nicht selbst schon hundertmal gesagt hätte! Es ging mir auf die Nerven. Ich hatte genug Probleme. Ein Psychologe soll sich nicht scheiden lassen. Wozu ist er Experte für die Lösung emotionaler Konflikte?
Schliesslich sagte ich gereizt: „Du hast ja keine Ahnung. Wie lange warst du eigentlich [...]

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Die dunkle Seite der Mutter

Angesichts der neun Babyskelette, die jetzt in Breskow-Finkenheerd gefunden wurden, gehört es schon fast zum guten Ton, nicht nur Abscheu, sondern absolutes Unverständnis zu bekunden. In solchen Situationen bemerken wir wieder, wie wichtig uns die Illusion von der guten Mutter ist und wie zäh wir an ihr festhalten. Es fällt uns sehr schwer, zu akzeptieren, dass Mutterschaft keine persönliche und moralische Leistung ist, sondern eher ein Geschenk günstiger innerer und äusserer Bedingungen.

In Wahrheit ist die Beziehung zwischen Mutter und Kind wie alle hoch leidenschaftlichen und existenziellen Beziehungen ambivalent, das heisst aus Liebe und Hass gemischt. Viele Frauen sehnen sich [...]

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Das Zwischenlager

Kennen sie die Menschen des Zwischenlagers? Sie sind ständig damit beschäftigt, zu suchen was sie eben nur schnell irgendwohin gelegt haben. Ihren Arbeitstisch zieren große Stöße von Vorgängen, die sie alle irgendwann erledigen wollen. Wenn es gar nicht mehr anders geht und sie endlich den Bürokram erledigen wollen, fangen sie an umzuschichten. Schließlich müssen sie das Wichtigste herausfiltern, anderes kann ja noch warten, hat sich vielleicht sogar von selbst erledigt. Sie wiegen die Blätter bedächtig in der Hand, lesen ein Stück, entscheiden sich dann doch, lieber etwas anderes, wichtigeres zu machen. Zeit ist knapp, denn die Stunden im Zwischenlager fehlen.[...]

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Die RAF, die Gnade und das Helfer-Syndrom

Auge um Auge, Zahn um Zahn, Gnade um Gnade – an diese archaische Formel fühlte sich erinnert, wer angesichts der Debatte im Jahr 2007 um die Begnadigung der RAF-Terroristen wiederholt (in der Bildzeitung, im Spiegel und bei Sabine Christiansen) dem Titel „Gnade für Gnadenlose?“ begegnete. Diese Formel hat mich zuerst verwirrt und dann empört. Denn Gnade ist keineswegs in einem Atem mit gerechter Strafe oder besser ausgewogener Rache zu denken, wie es solche Formulierungen nahelegen. Sie ist das Gegenteil von Rache und von Strafe. Wer fordert, dass die Gnadenlosigkeit eines Täters gegen die Gnade aufgerechnet wird, welche ihm gewährt wird, [...]

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Meine Beziehungsbücher

Die „Angst vor Nähe“ von 1986 war mein erstes „Beziehungsbuch“. Den Impuls, einen solchen Text zu schreiben, verdanke ich mehreren Einflüssen. Der erste ist meine eigene Geschichte.
Ich bin zweimal geschieden und kenne die Beschämung genau, wenn idealisierte Erwartungen zusammenbrechen und die Einsicht unausweichlich ist, dass es im Leben eben nicht immer glatt geht. Aber ich kenne auch den Trost, dass Beziehungsprobleme lösbar sind und die Scham abnimmt, wenn wir ein wenig Humor über die Primitivität etwa des Gedankens entwickeln, dass sich Psychologen (Psychoanalytiker gar) durch glatte Konfliktlösung auszeichnen müssten und es nicht viel wert ist, aus eigenem Scheitern zu [...]

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Einbrüche

Da Bücher zu den wenigen Dingen gehören, die in den bisher rund zehn Einbrüchen in das Haus noch nie mitgenommen wurden, ist die Hoffnung gering, dass meine psychologische Analyse der Befindlichkeit von Einbruchsopfern einen der Täter erreicht. Obendrein spielen sich die Szenen in Mittelitalien ab, nicht in Deutschland. Ferner wir man einwenden, dass – wer sich ein Haus in der Toscana leistet – sich über solchen Schaden nicht weiter aufregen soll, schließlich trifft er einen wohl situierten Mann, der ein privilegiertes Leben mit einem Ferienhaus führt und es daher nicht nötig hat, fremder Menschen Häuser zu knacken, um Flohmarktware aufzutreiben.[...]

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Unsere Traumatisierten

Oskar Lafontaine und Wolfgang Schäuble: Inwieweit bestimmen posttraumatische Reaktionen politische Entwicklungen?

Erbittert von Wolfgang Schäubles Vorschlägen zum Umbau des Rechtsstaates in eine Terrorbekämpfungsmaschinerie griff der Münchner Ex-Staatsanwalt und Innenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung Herbert Prantl zur Psychologie. „Seit dem Attentat vom 12. Oktober 1990 ist er an den Rollstuhl gefesselt. Wer jeden Tag die eigene körperliche Schwäche erlebt und sie zu überwinden versucht, der erträgt wohl die echten oder vermeintlichen Schwächen der Kollegen, aber auch die echten oder vermeintlichen Schwächen des Staates noch weniger als früher.“
Das Argument schlug Wellen. Die Bildzeitung sprach von einem „schweren Schreibunfall“. Schäuble selbst erklärte, „Es [...]

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