Autor: W.S.

Der Stoff aus dem Propheten sind

Sie brauchen die Schutzschicht ihrer Anhänger und kompensieren Mängel ihres Selbstgefühls

Das Bild der meisten Propheten ist durch Legendenbildung verklärt; wir wissen nur wenig von ihrem Leben, kennen ihre Lehre oft nur aus den Schriften ihrer Hörer. Da sie selten unsere Zeitgenossen sind, scheint es schwierig, aktuelle Beispiele für diese Dynamik zu finden.
Aber so schwer ist das gar nicht, wenn wir uns zugestehen, dass auch Erhabenes einmal trivial gewesen sein könnte. In der Tat gibt es Männer, die im 20. Jahrhundert mit prophetischem Anspruch aufgetreten sind und deren Analyse mir sehr aufschlussreich erscheint, auch wenn mir Kritiker vorwerfen werden, [...]

→ weiterlesen.

Und sowas von müde…

Die Beschädigung der Eltern durch das Kind

Der 42jährige Florian ist ein erfolgreicher Jurist, Vater von zwei Töchtern im Kindergarten- und Grundschulalter. Er arbeitet in der Rechtsabteilung einer grossen Privatbank. Seine Frau Betsy ist ein Jahr jünger. Sie hat ebenfalls Jura studiert, aber wegen der Kinder ihre Stelle gekündigt; sie macht jetzt eine Ausbildung als Heilpraktikerin. Sie engagiert sich sehr für Homöopathie, seit sie durch eine solche Behandlung von einem hartnäckigen Hautauschlag befreit wurde.

„Wir sind mit unserer Ehe am Ende“, sagt Betsy. „Florian war ein aufgeweckter Kerl, ein richtiges Energiebündel, als wir uns kennenlernten. Und jetzt kommt er nach [...]

→ weiterlesen.

Die Zerrissenheit des Migranten und die Sehnsucht nach dem Märtyrertod

Das Video ist professionell gemacht. Kurz vor der Explosion wird die Tele-Optik auf Weitwinkel gestellt, um die Druckwelle und die Staubwolke der Explosion in ihrem ganzen Umfang zu sehen. Vorher hat die Kamera den Weg eines mit sprengstoffgefüllten Säcken beladenen Toyota-Pickup zu einem amerikanischen Militärstützpunkt verfolgt, hat gezeigt, wie ein ganzer Strang von Zündkabeln mit Isolierband zusammengehalten und in die Fahrerkabine geführt wird, hat den selig lächelnden Fahrer erklären lassen, er werde bald als Märtyrer im Paradies sein. Wer die Sekunden zwischen dem Erscheinen der Rauchwolke und dem Krachen der Explosion zählt, findet heraus, dass die Kameraleute rund zweitausend Meter von ihrem Kameraden entfernt waren, dessen Tod sie preisen.

Verkehrsunfall im Jemen

Der Staub auf den runden Scheiben des Militärhubschraubers taucht die jemenitische Landschaft in ein trübes Licht, er dämpft das satte Grün der bewässerten und ummauerten Felder, verstärkt die Gelbtöne der Wüste und verwischt die ohnehin weichen Konturen der hochragenden Bauernhäuser aus gestampftem Lehm, die jeden, der sie einmal gesehen hat, auf dem ersten Blick in Entzücken über soviel mit einfachsten Mitteln geschaffene Schönheit und Harmonie von Baukunst und Landschaft versetzen. Der zweite Blick wägt genauer ab, er sieht den Zivilisationsmüll, die Armut, den Konflikt zwischen der gewachsenen Kultur Südarabiens und den Neuerungen aus Europa: Zement, Dieselpumpe, Pickup, Kalaschnikow.
Wir fliegen [...]

→ weiterlesen.

Mobbing in der Liebe

Verletzungen sind in einer Partnerschaft meist unvermeidlich, aber Mobbing in der Liebe? Wolfgang Schmidbauer befasst sich mit einem bekannten Phänomen in einem neuen Umfeld. Er analysiert intime Beziehungen und zeigt, wo Anlässe für Kränkungen liegen und wie diese verarbeitet werden können. Sein wichtiges Anliegen ist es zu verdeutlichen, wie Liebespartner der Mobbing-Falle entkommen können.

Ein psychologischer Ratgeber, der Hoffnung macht auf eine verlässliche Liebesbeziehung, in der sich die Partner wieder achten und vertrauen können.[...]

→ weiterlesen.

Die Helferdiskussion

Beobachtungen eines Referenten

Der grosse Saal des Ärztehauses in Freiburg war überfüllt. Zu einer gemeinsamen Fortbildung über das Thema „Hilfe für Helfer“ waren viele Ärzte und Psychotherapeuten erschienen. Sie hörten aufmerksam den Ausführungen des Referenten über die Hintergründe von Helfer-Hilflosigkeit, Helfer-Syndrom, Burnout und professioneller Entwicklung zu. Die Diskussion verlief zunächst etwas schleppend. Dann stand ein Arzt auf und fragte, wie sich der Referent das vorstelle: neben fünfzig, ja sechzig Stunden Praxisarbeit jede Woche auch noch eine Intervision, eine Balintgruppe, berufspolitisches Engagement und ein befriedigendes Privatleben zu haben, was der Referent doch alles als Hilfswege vorgeschlagen habe.

Dann meldete sich eine [...]

→ weiterlesen.