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Und was kann ich tun gegen die Angst?

Was sich bessern lässt und im Standhalten gegenüber Ängsten auch tatsächlich bessert, ist die Erholung nach dem Angstanfall und die Einordnung dessen, was geschehen ist, die Differenzierung zwischen dem, was ich durch Aktivität verändern kann und was ich ertragen muss. So gelingt es, die Angst abzupuffern und zu lernen, sie anzunehmen als Teil des Lebens. Wir erkennen sie als starkes Gefühl, das in unserer hoch entwickelten Kultur selten die einfachen Lösungen von Kampf oder Flucht zulässt.

Viel problematischer als die Angst, die – wie alle Affekte – kommt, aber auch wieder vergeht und letztlich den Organismus nicht schädigt, ist unser Bedürfnis, Ängste zu betäuben. Viele Alkoholiker und Drogensüchtige sind verkappte Angstkranke, die schließlich mehr unter den Folgen ihrer Selbstbehandlung leiden als unter der Angst. Ähnlich können auch politische Inszenierungen zur Angstabwehr eingesetzt werden, die viel gefährlichere Folgen haben als die erlebte Angst. Rassismus und Nationalismus versprechen beispielsweise eine angstfreie, paradiesische Zukunft. Vorher, so die Botschaft, muss aber beseitigt werden, was diesen Frieden stört und für alles Ängstigende verantwortlich ist. Ganz typisch für die in solchen Haltungen wurzelnden faschistischen Bewegungen ist der blinde Aktionismus als Angstabwehr, die Flucht in den Kampf, die Ablehnung jeder Diskussion (Parlament=Quasselbude).

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