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Die Ängste der dritten Generation

Was ist da schiefgelaufen?
Die Tatsache, dass Eltern eine solche Nähe zu den Kindern suchen, ist auch eine Angstquelle: Wenn man Papa und Sohn gemeinsam mit Lurexhosen auf dem Mountainbike durch die Gegend fahren sieht und zwischen Mutter und Tochter den Unterschied kaum noch erkennt, dann bedeutet das: Es gibt viel mehr Verbindung zwischen den Generationen, aber weniger Halt. Da ist keine feste, ferne Elternstruktur, an der man sich abarbeiten kann, die einem aber auch Halt gibt – sondern die Eltern sind selber bedürftig, und man muss sie darin bestätigen, dass sie gut sind; man erlebt sie als abhängig. Das ist natürlich ein Zusatzstress.

Und wie werden daraus Ängste? Ich habe ja dann Verantwortung; ich muss, obwohl ich noch Kind bin, auch Freund meiner Eltern sein. Manche Mütter erzählen ihren Töchtern selbst Details über ihr Sexualleben – wo sie unzufrieden sind und wo nicht. Auf diese Weise ist das Kind natürlich überlastet, hat keinen Schonraum, in dem es sich ungestört entwickeln kann. Es wird in Beziehungen hineingezogen, die es noch gar nicht verarbeiten kann. Und das ist eine Belastung, die dann die Fähigkeit, Ängste zu verarbeiten, abschwächt.

Das heißt, nicht nur die Beziehung Eltern-Kind ist entscheidend, sondern auch die zwischen Mutter und Vater?
Ja, es ist sehr destruktiv, wenn ein Kind miterlebt, wie die Eltern sich gegenseitig schlechtmachen. Suche ich ein Vorbild, und das Vorbild ist gebrochen, dann muss ich dieses Vorbild, das einen Strukturkern in meiner Psyche bildet, ersetzen durch ein perfektes Idealbild. Und das wiederum verunsichert mich in der Realität: Sind meine Gefühle gut genug, ist es wirklich Liebe? Oder bilde ich mir nur ein, dass es Liebe ist?

Was kann man tun, um für sich herauszufinden, ob der eigene Partner der richtige ist?
Der »richtige Partner« – allein das ist schon so ein perfektionistisches Modell. Es gibt ja nicht DEN passenden Partner! Die Suche danach ist ein Zeichen dafür, dass man das eigene Selbstgefühl als unvollständig erlebt und etwas »Richtiges«, Stabilisierendes von außen sucht. Das führt dann etwa dazu, dass man sich nicht sagen kann: Ach, das Wochenende mit dieser Frau war sehr angenehm, also wird sie ja die Richtige sein, sondern man stellt sich erst die Frage: Ist das die richtige Frau, um das Wochenende mit ihr zu verbringen? Wenn sie sich dann auch noch auf die Probe gestellt fühlt, hat sie vielleicht auch keine Lust mehr, mit mir das Wochenende zu verbringen, und so finde ich es nie heraus.

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