Vortrag
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Das Unbewusste und der Wald

Vortrag auf der Tagung: Blätterwald – Wald in den Medien

Riehl war ein früher Virtuose der Medien und schon als 19jähriger journalistisch tätig. Er schrieb Zeitungsaufsätze und gab 1848-51 die konservative Nassauische allgemeine Zeitung heraus, während er zugleich mit der musikalischen Leitung des Hoftheaters in Wiesbaden betraut war. Von 1851 bis 1854 arbeitete er in Augsburg als Redakteur der dort ansässigen Allgemeinen Zeitung.

1854 holte König Maximilian II. den 31jährigen an den Münchener Hof, wo er „Oberredakteur für Preßangelegenheiten des kgl. Hauses und des Äußeren“ wurde und eine Honorarprofessur an der staatswirtschaftlichen Fakultät erhielt, die 1859 zu einer ordentlichen Professur für Kulturgeschichte und Statistik wurde. Riehls Vorlesungen gehörten zu den meistbesuchten, er wurde geadelt 1885 Direktor des bayerischen Nationalmuseums und Generalkonservator der Kunstdenkmäler und Altertümer Bayerns.

Seine Grundthese zum Wald besagt, dass die germanischen Traditionen bei den Deutschen mehr als anderswo leben, weil sie viele Wälder haben, die in ihrem Land für körperliche wie seelische Kräftigung sorgen, während in England und Frankreich durch frühe Rodung und reine Feldwirtschaft das Volk verweichlichte.

Riehl gilt als einer der Wegbereiter des Naturschutzes. So fordert er 1857 das „Recht der Wildnis“ neben dem „Recht des Ackers“: „Jahrhunderte lang war es eine Sache des Fortschrittes, das Recht des Feldes einseitig zu vertreten; jetzt ist es dagegen auch eines Sache des Fortschrittes, das Recht der Wildniß zu vertreten neben dem Recht des Ackerlandes. Und wenn sich der Volkswirth noch so sehr sträubt und empört wider diese Tatsache, so muß der volksforschende Social-Politiker trotzdem beharren und kämpfen auch für das Recht der Wildniß“.

In einem zur Nazizeit erarbeiteten Sammelwerk über den deutschen Wald steht schon wieder oder immer noch, dass alle anderen Völker, ob primitiv oder zivilisiert, ihr Verhältnis zum Wald auf Nützlichkeitserwägungen gründen, während der Deutsche – ich zitierte den Autor Ehm Welk – eine ihm selbst unerklärliche, tiefe Liebe zum Wald verspürt. Der NS-Autor erklärt diese Liebe dann so: „Von den Vätern fließt aus grauer Vorzeit ein einziger Strom naturverbundenen Volkstums, unbewusst den meisten von uns, riesengroß aber in seiner Bedeutung, und der Atem der Ewigkeit zieht mit diesem Strom: von den Tagen des erwachten Menschenbewusstseins im Wald über Zeiten einer kraftvollen Volkwerdung bis zu den Sonntagsausflügen der Großstädter, und zieht darüber hinaus in die Unvergänglichkeit.“
Hier ist immer noch Riehls These, schwülstiger als bei diesem, dass im Wald die Verjüngungskraft eines Volkes liegt und die Deutschen nur dadurch vernichtet werden können, dass man ihnen die Wälder nimmt.

3 Kommentare

  1. Rosmarie Niesler sagt

    Sehr geehrter Herr Schmidbauer,

    vielen herzlichen Dank für diese wunderbare, klare u. tiefsinnig/verbindende Analyse bzw. Darstellung unseres Seins in unserer so verworrenen ‚Realität‘!
    Das gilt für alle Ihrer Beschreibungen, die ich bisher gelesen habe; sie geben eine wohltuende Möglichkeit, klar zu sehen u. zu verstehen. Wie Therapie!

    Es grüßt Sie herzlich
    R. Niesler

  2. howetzel sagt

    Nicht nur der Mensch, alle welt ist vergänglich. Alles ist im Fluß!

    Die immer weiter abschmelzenden Gletscher er innern mich daran, dass von 20 tausend Jahren hier ganzanders ausgesehen hat. Wald war da nicht zu erwarten und der Mensch hat auch heute immer nocht recht wenig Einfluss.
    Ich möchte das nicht gerade nicht pessimistisch sondern als Option zum Handeln sehen, aber Weltuntergangpropheten schüren und nutzen diese Angst.

    Da macht mir der gestrige Wahlsieg Angst und mir fällt die Vokabel „grünlackiert“ ein und ich weiß nicht warum!

  3. Florian sagt

    Besonders berühren mich als Tolkien-Leser die Verweise auf „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“. Da bekomme ich gleich wieder Lust, Tolkien zu lesen und (wie jedes Mal) völlig neue Aspekte zu endecken.

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