Autor: W.S.

Das kalte Herz

Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle In der Konsumgesellschaft leidet die seelische Reife. Die moderne Geldwirtschaft arbeitet gegen die Gefühle der Menschen. Der Kapitalismus zerstört die Empathie. »Dichter sehen noch zusammen, was die Wissenschaft trennt«, schreibt Wolfgang Schmidbauer in seinem neuen Buch. Von den früh vollendeten Dichtern, deren Tod Phantasien weckt, was aus ihnen noch alles hätte werden können, ist Wilhelm Hauff einer der bekannteren. Als sein wichtigstes Märchen gilt Das kalte Herz, Teil der Märchensammlung

Kleist

Aus einer Rezension von Christine Kanz, erschienen in: Jahrbuch für Literatur & Psychoanalyse. „Nach begonnener Lektüre möchte man es eigentlich nur ungern aus der Hand legen, es stattdessen in einem Zug von vorne bis hinten, Seite für Seite durchlesen, auch wenn man zwischendurch immer wieder leicht irritiert bis empört den Kopf schütteln muss.

Von der Energiefront nichts Neues

Es gibt in Deutschland zur Zeit kaum einen Politiker, der sich nicht in die allgemeine Betroffenheit über die Katastrophe in den japanischen Atomkraftwerken einreiht. Es verwundert nicht, dass sich jetzt jene ärgern, die schon gegen die Atomindustrie kämpften, als das noch von eben diesen Politikern als weltferne Spinnerei, Technologiefeindschaft und Raub an einer sicheren Energieversorgung bekämpft wurde. In anderen Ländern sind die Menschen nicht so zimperlich.

Das Unbewusste und der Wald

Dem Naturentzücken und der Ursprungsschwärmerei angesichts des Waldes hält die Wissenschaft gerne entgegen, dass der Wald in Europa genau so Kulturlandschaft sei wie Felder oder Fischteiche. Aber dennoch ist es etwas Eigentümliches mit dem Wald. Er ist anders, und das liegt an den Bäumen.

Weil sie in der Regel länger leben und größer werden als der Mensch, flössen sie uns Achtung und Ehrfurcht ein, gemischt mit Angst, denn der unbewaffnete Mensch kann einem Baum nichts anhaben, der Baum aber auch den Bewaffneten erschlagen, vor allem, wenn ihm die Elemente -Sturm oder Schnee – zu Hilfe kommen. Wenn nach einem Unwetter [...]

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Schütt Hormone über mich…

Es ist eine fesselnde Frage, weshalb sich Menschen nicht zufrieden damit geben können, dass sie etwas erleben, sondern gerne wissen wollen, warum sie das tun. Eine erste Antwort fällt leicht: Die Suche nach einer Ursache erleichtert es uns in manchen Fällen, Abhilfe zu schaffen. Wer sich einen Dorn in den Fuß getreten hat, tut gut daran, herauszufinden, warum die Sohle plötzlich schmerzt; so kann er den lästigen Eindringling entfernen. In vielen Fällen aber läuft diese Warumfrage aber quasi hochtourig im Leerlauf.

Ach, immer diese Entscheidungen!

Erschienen in: Stuttgarter Zeitung

Wer sich über die Qual der Wahl erregt oder gar unter ihr leidet, mag ein wenig Trost darin finden, dass es ihm gut geht. Not duldet kein Zögern. Das zeigt schon das Urbeispiel der Wahl-Qual,  Buridans Esel. Die Denkfigur soll erläutern, dass es nicht möglich ist, eine logische Lösung zu finden, wenn wir zwischen zwei gleichwertigen Möglichkeiten wählen müssen. Ein Esel steht zwischen zwei gleich großen und gleich weit entfernten Heuhaufen. Er verhungert, weil er sich nicht entscheiden kann, welchen er zuerst fressen soll.

Dem Esel, muss man sagen, geht es zu gut. Die Qual der [...]

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Die Ängste der dritten Generation

Dieses Interview erschien 2010 in der Zeitschrift NEON; es basiert auf dem Buch „Ein Land – Drei Generationen. Psychogramm der Bundesrepublik“
Sie nennen die jungen Erwachsenen von heute »Generation Angst«. Was meinen Sie damit? Ich arbeite seit mehr als dreißig Jahren als Psychoanalytiker – und stelle fest, dass die Menschen in dieser Zeit sehr viel ängstlicher geworden sind. In früheren Therapiegruppen etwa waren die Leute viel unangepasster;...

Rilke, Krankheit und Dichtung

Wir sind ins Leben gesetzt, als in das Element, dem wir am meisten entsprechen, und wir sind überdies durch jahrtausendelange Anpassung diesem Leben so ähnlich geworden, daß wir, wenn wir stille halten, durch ein glückliches Mimikry von allem, was uns umgibt, kaum zu unterscheiden sind. Wir haben keinen Grund, gegen unsere Welt Mißtrauen zu haben, denn sie ist nicht gegen uns. Hat sie Schrecken, so sind es unsere Schrecken, hat sie Abgründe, so gehören diese Abgründe uns, sind Gefahren da, so müssen wir versuchen, sie zu lieben.

Psychologische Diagnosen gleichen Musikinstrumenten. Sie engen eine Vielfalt von Möglichkeiten ein, um praktische [...]

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Amok im Alltag

Am letzten Tag ihres Kurzurlaubs mit ihren zwei schulpflichtigen Töchtern auf einem Reiterhof bei Murnau fuhr die 47jährige Ärztin Dagmar O. auf einem schmalen, zugeparkten Weg von St. Alban am Ammersee in Richtung Riederau. Sie musste anhalten, weil sich vor ihr ein Ehepaar mit Hund ins Auto zwängte. Ein Radler auf einem Montainbike quetschte sich zwischen den Fahrzeugen durch, beschädigte den Außenspiegel an ihrem Wagen und fuhr weiter.

Dagmar O. schrie ihm nach. Der Radler zeigte ihr den Stinkefinger. Ein Passant sagte: „Fahren Sie ihm nach, den kriegen Sie noch.“ Dagmar O. wendete und verfolgte den Radler über fast zwei [...]

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Empathie, ersehnt und überschätzt

Dem Mythos von der emotionalen Intelligenz folgt die Sage über das empathische Gehirn Je weiter Spezialistenwissen unsere Welt in immer kleinere Teile auflöst, desto stärker wächst das Bedürfnis nach Vereinfachung. Der Wunsch nach Synthese führt uns zur Konzentration auf den Event, der alle Aufmerksamkeit bündelt und die Vielfalt ordnet. Er lässt uns nach psychologischen Begriffen suchen, die eine neue und gute Einheit unter den Menschen versprechen. Nach der "emotionalen Intelligenz" und dem "positiven Denken" - beides für den kritischen Forscher Widersprüche in sich - gerät gegenwärtig die Empathie in Mode.