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Unsere Kindersoldaten

Die Kultusminister können die Schulen mit Waffendetektoren aufrüsten, wie sie auch schon am Eingang von Sankt Peter in Rom stehen. Sie müssen sich freilich fragen, ob der entschlossene Täter von dem Hausmeister zurückweicht, der an einer solchen Schranke steht. Sehr teuer sind solche Maßnahmen obendrein. Das Geld wäre wohl für Schulpsychologen besser ausgegeben, die mit in jeder Notenkonferenz sitzen und – statt nur Termine für Interessenten an ihrer Dienstleistung zu gewähren – aktiv auf gefährdete Schüler zugehen.

Automatische Waffen und Ego-Shooter-Spiele gehören verboten, wenn der Staat wirklich etwas tun will. Ballerlust mit fertigen Patronen hat mit Schießsport so wenig zu tun wie ein Bildschirmspiel mit Bildung. In allen bekannt gewordenen Fällen sind Amoktäter nur deshalb zu Mördern geworden, weil ihnen eine achtlose Umgebung Fernwaffen in die Hand gab. Wo nur der Vorsatz böse ist, die Mittel aber gering, endet der Amoklauf im Kleingedruckten. “Am 27. Oktober 2005 will ein Schüler an einer Privatschule einen Lehrer töten. Zwei Frauen nehmen dem 15jährigen das Klappmesser ab.” Oder: “Am 21. Juni 2006 greift ein 20-jähriger Fachoberschüler einen Lehrer mit zwei Messern an. Er wird von Mitschülern überwältigt.”

Den gefährlichsten Einfluss von allen, die Lockung der triggergeilen Bildschirmwelten, stellt heute kaum jemand ernsthaft in Frage. Sie versprechen bequeme Unterhaltung, aber sie bauen darin auch Widerstandskräfte ab, rauben den Kindern Autonomie und schwächen ihre Fähigkeiten zur Kränkungsverarbeitung. Sie sind längst so mächtig geworden, dass sie auch noch die Diskussion über ihre eigene Abschaffung monopolisieren würden, wenn es sie denn gäbe. Über Begrenzungen sollten wir aber dennoch reden.

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