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Stalking und andere Phantasiebeziehungen – Der Liebeswahn heute

Dieser Beitrag entstand für das Programmheft zu Händels Orlando an der Komischen Oper Berlin

Freud hat die schöne Metapher vom Denken des Menschen als Probehandeln geprägt. In der Oper des Barock geht es um die Probeliebe. Es wird alles ausprobiert, was die Liebe fördert und was sie verschwinden lässt. Die Liebe steigert sich nicht nur zum Wahn, sie ist Wahn. Orlando, der Held, wird durch den Pfeil des blinden Gottes verwundet und agiert nun geblendet im Nebel. Er versäumt Tugend und Pflicht. Die Frauen können ihm nicht Einhalt gebieten, ist es doch ihr Wankelmut, der es so weit kommen ließ.

Und die Quintessenz des Ganzen?

Die Frauen Angelica und Dorinda haben Mitleid mit dem männlichen Wahn und hoffen, dass sich die Helden wieder beruhigen. Dorinda beschreibt die Liebe als Sturm, der neben kurzem Vergnügen lange Trauer bringt. Der Weise Zoroastro verwendet wie der Psychiater in seiner Vorlesung Orlando als Beispiel, dass der Liebende den Verstand verliert. Er bitten den Himmel um ein Psychopharmakon.
Zeus’ Adler bringt eine Vase, die Zoroastro über das Gesicht des nach seiner Raserei eingeschlafenen Helden ausschüttet. Orlando erwacht und ist beschämt, dass er Angelica und Medoro getötet haben soll. Er will sich in den Abgrund stürzen, wird aber von Angelica aufgehalten. Alle versöhnen sich; Orlando ist stolz, über sich selbst und die Liebe gesiegt zu haben.

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