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Das Königreich von Saba und die “Brutstätte des Terrors”

Zwei Staaten

Seit 1969 gab es zwei voneinander unabhängige Staaten im Jemen. Im Norden war es eine nach wie vor in vielen Ämtern vom zaiditischen Adel geprägte, konservative Republik, die bald mit der Waffe, bald mit Geld versuchte, ihre Autorität auf die von den Stämmen kontrollierten Gebiete auszudehnen. Außenpolitisch war der Nordjemen “blockfrei” und suchte im Westen wie im Osten Hilfe für die im Bürgerkrieg schwer geschädigte Wirtschaft.

Im Süden hingegen entstand eine sozialistische Republik. Obschon die Regierung die Religion nie aktiv unterdrückte, war Frömmigkeit nicht mehr die Qualifikation für ein Amt – im Gegenteil. Allerdings gelang es den Sozialisten nicht, die entwickelte Region um den Hafen von Aden mit den südlichen Gebirgsregionen und Hadramaut zu einer politischen Einheit zu formen.
Während seit 1978 Oberst Ali Abdallah Saleh, einer der republikanischen Offiziere, nach einem zweiten Militärputsch als (bis heute regierender) Präsident den Norden stabilisierte, konnte die sozialistische Einheitspartei des Südens die Stammesgegensätze nicht überbrücken. Es gab noch 1986 blutige Richtungskämpfe, welche den Schutzmächten – der Sowjetunion, Rotchina, der DDR – ihre Hilfsmassnahmen verleideten.

Die Wiedervereinigung

Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat nicht nur den Weg zur deutschen Wiedervereinigung geöffnet, sondern auch den zur jemenitischen. Im Mai 1990 wurde die Vereinigung von Nord- und Südjemen zur Republik Jemen proklamiert. Die Vereinigung war allerdings nicht durch demokratische Wahlen legitimiert, sondern von Präsident Saleh und seinen Gefolgsleuten nach dem bewährten Muster des Nordens gestrickt.

Wie dort republikanische und Stammes-Strukturen nebeneinander und ineinander verflochten funktionieren, so wurde ein paritätisch besetztes Großkabinett gebildet, in dem der Präsident versuchte, einen Kurs zwischen den südjemenitischen, weltlichen Machtstrukturen und den theokratisch geprägten Konservativen des Nordens zu halten.

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