Vortrag
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Die Zukunft hat viele Illusionen.

Warum sich Freud irrte, als er den Sieg der Analyse über die religiöse Illusion ankündigte

Stabile Antworten auf diese Frage sind nur möglich, wenn irgendeine Form eines Jenseitsglaubens aufrechterhalten werden kann. Seit Nietzsche sagen konnte “Gott ist tot!”, ist das sehr viel schwieriger geworden. Religion trägt viele Menschen emotional nicht mehr, sie schützt nicht mehr vor Gefühlen der Sinnlosigkeit. Der Event hat den großen Vorzug, dass er einen Mangel an diesem sozusagen großen und langfristigen Sinn durch Intensität ersetzt.

So lange ich an diesem Ereignis teilhabe, lösen sich alle Sinnfragen in dem Ereignishorizont auf. Der Event ist, wenn schon nicht die neue und allgemeine Form der Religiosität, doch das zentrale Ritual der Postmoderne; um ihn herum organisieren sich unsere Emotionen, alle tradierten Machtstrukturen unterwerfen sich ihm. Auch die großen Religionen spüren das. Ungeplant und provokativ erwachen in ihnen Events, die – wie das Attentat auf die Twin Towers – globale Folgen haben.

Ich würde jetzt sehr gerne genauso schwungvoll und ergreifend wie es die Events vermögen Ihnen ein Gegenmittel präsentieren, das vielleicht etwas origineller und breiter anwendbar ist als die Methode des Odysseus, der seinen Begleitern die Ohren verschloss, um sie gegen die Sirenengesänge immun zu machen, sich selbst aber an den Mast binden ließ, um sie unbeschadet zu hören. Aber ich habe dieses Mittel nicht finden können, ich vermute, es hat mehr mit einer Haltung zu tun als mit den Inhalten der Ereignisse oder auch der Glaubensbekenntnisse. Vielleicht sollte ich bereits damit zufrieden sein, dass mir in meiner noch prägbaren Kindheit meine Mutter die schöne Geschichte über Odysseus erzählt hat. Es reicht womöglich, wenigstens nicht dümmer zu sein als er.

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