Kolumnen
Kommentare 3

Heilig, still und sehr gefährlich

Weihnachtsglück und Weihnachtskatastrophe

Pathos, Ritual und Humor

So ist Weihnachten in allen Familien mit großen Kindern ein interkulturelles Experiment geworden. Der Lichterbaum weckt die Sehnsucht nach emotionaler Nähe, nach Liebe, die meist am besten gedeiht, wenn man nicht von ihr spricht, sondern sie ausübt, vor allem, indem man zuhört, was denn vom anderen als liebevoll empfunden wird und von mir ohne drängende Ansprüche auch gegeben werden kann.

Mir fallen drei Möglichkeiten ein, die Weihnachts-Widersprüche zu überwinden und trotz allem das Fest zu feiern: Pathos, Ritual und Humor. Pathos setzt voraus, dass die Familie sich zumindest für einen begrenzten Zeitraum auf ein Schauspiel einigen und jede Kritik an hohlen Worten oder Leerformeln zurückstellen kann. Das wird durch eine ungebrochene Gemeinsamkeit der religiösen Überzeugungen sehr erleichtert. Wenn alle glauben können, dass in dieser Nacht der Heiland geboren wurde, verschwinden mögliche Gegensätze und Enttäuschungen in der Hinwendung zu einem erhöhten Dritten.

Damit verwandt (denn das Fasten am 24.12., das Fastenbrechen und die Mitternachtsmesse sind auch mächtige Rituale) ist der gemeinsame Weihnachsbrauch. Familien, in denen Weihnachten unabhängig von religiösen Inhalten stark ritualisiert ist, finden ihren Zusammenhalt in der Teilhabe. Sie sind beschäftigt und abgelenkt, höchst schätzenswerte Strategien, um konfliktfreie Zonen zu schaffen.

Die im ersten Eindruck schwächste, auf lange Sicht aber tragfähigste Möglichkeit scheint mir der Humor. Sobald es in einer Familie gelingt, angesichts des Zusammenpralls von Erwartung und Ergebnis Humor zu entwickeln, verschwindet die latente Spannung aus dem Festgeschehen. Es wird gerade im Genuss des harmlosen Unfriedens friedlich. Vater hat am Christbaum gespart (er kauft ihn immer erst am 24.12., weil da die Preise runtergehen), Mutter der diätfixierten Tochter zum Trotz eine Gans gebraten, die Büchergeschenke sind sowas von daneben und die Oma hat nicht gespannt, dass die Enkeltochter inzwischen Schlabberpullis hasst und alles, was sie trägt, nabelfrei und figurbetont sein muss.
Alles Weihnachten, oder was? Um die Krippe sammeln sich bekanntlich nicht nur Maria und Joseph, Ochs und Esel, Schafe und Hirten, sondern auch der Owi. Und der Owi lacht*.

In diesem Sinne: ein frohes Weihnachtsfest Ihnen allen.
Ihr Wolfgang Schmidbauer

*Diesen harmlosen Scherz verdanke ich einer Kindheitsgeschichte, wonach der Vers „O wie lacht/ Lieb aus deinem göttlichen Mund“ lange Jahre so verstanden wurde, dass an der Krippe ein lachender Owi steht.

3 Kommentare

  1. Roman Grafe sagt

    Danke, lieber Wolfgang Schmidbauer, damit haben sie das 25. Türchen geöffnet. Bis bald.

  2. Justus Keller sagt

    Sehr geehrter Herr Schmidbauer,

    ….dankeschön für Ihre förderlichen Überlegungen für die Weihnachtstage. Tut gut zu überdenken.

    Eine weitere Variante ist vielleicht auch : „Ich diene den Bedürfnissen aller Anwesenden. Mit ganzem Herzen. Es muss mir keinen Spaß machen!“ Jens Corssen.

    Ich freue mich auf die Begegnung im Frühjahr 2010.

  3. …ich denke dass wir heute Mal eine etwa andere Weihnachtsgeschichte vorlesen, vielen Dank für diesen Text…und frohe Weihnachten….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.