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Facetten und Entwicklungen des Narzissmus-Konzepts

Vortrag zum 5. Bayerischen Landespsychotherapeutentag

(Auszug – den gesamten Vortrag gibt es hier als Pdf zum Download.)

PTK 27.4.13Ungefähr zur selben Zeit wie die Bomben der beiden Terroristen beim Boston-Marathon explodierte in Texas eine Kunstdüngerfabrik. Verglichen mit ihrer Wucht sind die Kochtopf-Bomben in Boston nur ein böses Spielzeug gewesen. Es gab in Texas auch erheblich mehr Schaden und Tod. Die Reaktionen der Medien und der Staatsmacht waren ganz und gar nicht das, was der Jurist „verhältnissmäßig“ nennt. In Texas normale Berichterstattung und professionelle Polizeiarbeit, in Boston Buhei pur: Eine ganze Stadt unter Ausgangssperre, Schwerbewaffnete durchkämmen Straßen und Wohnungen.

Sie verhaften den Täter nicht. Der Täter wird zunächst nicht gefunden. Erst als die Ausgangssperre aufgehoben wird, entdeckt ein Bürger, dass Blut an der Folie ist, durch die ein Boot in einem Garten winterfest bedeckt wird. Neugierig sieht er nach und findet den verletzten Täter in seinem Versteck.

Man könnte das Schauspiel als Spektakel der Staatsmacht abtun, die Medienereignisse wie den Anschlag auf einen Marathonlauf nutzt, um sich selbst in Szene zu setzen. Aber in diesem verharmlosenden Urteil über ein Schauspiel, das mit ordentlich geplanter Polizeiarbeit nichts mehr zu tun hat, wird die Dynamik des modernen Terrorismus verkannt.
Seit dem grausamen Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München wissen wir, dass es ein wesentliches Motiv der terroristischen Aggression ist, selbst einen Teil der Aufmerksamkeit zu gewinnen, der beneideten Rivalen zufließt. Terrorismus ist immer auch Theater. Um die beiden jungen Männer, die gegenwärtig als Täter von Boston gelten, werden sich in den nächsten Tagen und Wochen die Experten scharen. Sie sind etwas ganz Besonders geworden, ein narzisstischer Traum hat sich erfüllt, der mächtig ist, seit nicht mehr der Spiegel einer Quelle, sondern der Bildschirm das Selbstgefühl junger Menschen bestimmt.

Man darf davon ausgehen, dass die beiden Terrorverdächtigen darüber nachgedacht haben, den Marathon selbst zu laufen. Welcher sportliche junge (und ältere) Mann denkt darüber nicht nach? Aber während Zuschauer und Läufer feiern und es genießen können, Teil eines Massenereignisses zu sein und sich ihres Festes zu erfreuen, gibt es in ihrer Mitte auch Einzelne, die sich von einem solchen Fest nicht mitgerissen und in ihrer Stimmung gehoben fühlen, sondern erniedrigt und entwertet. Psychotherapeuten wissen, dass es vielen gekränkten, depressiven Menschen im nasskalten November sehr viel besser geht als an einem sonnigen Tag im Mai, wenn – Zitat einer Kranken – „der ganze englische Garten voll von glücklichen Paaren ist!“
Wir müssen gar nicht an den Teufel glauben, um die Versuchung zu verstehen, den Frieden und die Freude Feiernder zu stören. Wer sich keine Chance gibt, im ehrlichen Wettstreit den Ruhm des Siegers zu ernten, gerät in Versuchung, sich wenigstens als der größte Störer zu profilieren. Auch der Terrorakt hat inzwischen seine konfusen Ideologen. Aber wer sich ihren Gedanken anschließt, ist von den emotionalen Motiven bestimmt, die in zerbrochenen Biographien entstehen. Für den gesunden Menschen hat Aufmerksamkeit mit Zuneigung zu tun; er wünscht sich eine emotionale Stabilisierung durch Beziehungen, in denen er sich in seine Mitmenschen einfühlt und daher auch von ihnen Einfühlung in seine Bedürfnisse erwartet.
(…)

Da der ganze Vortrag an die 20 DIn A4 Seiten umfasst, gibt es ihn hier als pdf-Download.

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