Alle Artikel mit dem Schlagwort: Terror

Eine neue Unfähigkeit zu trauern?

Die Deutschen scheinen sich besonders schwer zu tun im würdevollen Umgang mit den Opfern terroristischer Anschläge

Wer von dem Berliner Anschlag hörte, dachte wohl zuerst: Jetzt auch bei uns! Obwohl schon im Januar 2016 die Bombe eines Terroristen in Istanbul zehn deutsche Reisende in den Tod riss, war Berlin verschont geblieben, anders als Paris, Brüssel oder Nizza. Was Anlass zu den folgenden Überlegungen gibt, ist der öffentliche Bezug zu den Opfern, der merkwürdig kühl und auch schwächlich erscheint, wenn wir ihn beispielsweise mit den Tagen in Frankreich nach dem Angriff auf Charlie Hebdo vergleichen.

In den Medien dominierte nach der Tat die Frage nach dem Versagen der Geheimdienste und der Polizei, die einem erkannten „Gefährder“ den [...]

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Massenmord als narzisstische Geste des 21. Jahrhunderts

Eine wirksame Prophylaxe wird der Öffentlichkeit viel abverlangen – unter anderem den Verzicht auf eine Berichterstattung, welche die Täter glorifiziert

Dieser Artikel erschien gekürzt und unter einem anderen Titel am 27.7.2016 im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung

Nach Winnenden, Erfurt, Würzburg, nach Charleston und Columbine High School jetzt also auch München. „Sinnlose“ Massenmorde durch Halbwüchsige mit automatischen Waffen gehören zu den großen Gesten in den Konsumgesellschaften des 21. Jahrhunderts. Sie werden zunehmen und uns bedrohen, bis wir ein wirksames Gegenmittel finden.
Die meisten gewissenhaften Selbstbeobachter werden zugeben, dass ihnen Mordimpulse nicht gänzlich fremd sind. Kaum einer hat das in einer so schönen Mischung von Idylle und Schauder vorgetragen wie Heinrich Heine:

„Ich habe die friedlichste Gesinnung. Meine Wünsche sind: eine bescheidene

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Das Königreich von Saba und die „Brutstätte des Terrors“

Die Berichterstattung über den Jemen wird Südarabien nicht gerecht. Sie führt das politische Denken in eine gefährliche Richtung Südarabien ist einzigartig. Nach dem Reich der legendären Königen von Saba, in dem vor dreitausend Jahren die fortschrittlichsten Bewässerungsanlagen der Welt entstanden, wurde der Jemen von jüdischen, christlichen und schließlich muslimischen Fürsten beherrscht. 1969 spaltete er sich in einen sozialistischen Süden und einen konservativen Norden. Heute sucht das wieder vereinte Land einen politischen Weg, in dem die arabischen Stämme immer noch eine wichtige Rolle spielen.