Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gesellschaft

Mitleid, Beileid, Mehrleid

In manchen Traueranzeigen findet sich ein kleiner Satz: „Von Beileidsbezeugungen am Grab bitten wir abzusehen.“ Manche der Teilnehmer an dem Abschiedsritual werden aufatmen; andere fühlen sich bevormundet. Die Angehörigen des Verstorbenen sagen, dass sie in Ruhe gelassen werden wollen. Ist das eine Gegenströmung in einem Ritual, in dem Menschen zusammen kommen, um sich von einem der ihren zu verabschieden und jene zu trösten, welche dieser Verlust am schmerzlichsten trifft? Wohl eher ein Ausdruck der Unterschiedlichkeit und Unberechenbarkeit, die in einer Kultur regieren, die das Verhalten der Personen nicht mehr durch allgemeine Normen reguliert.

Leben und leben lassen, jeden nach seiner [...]

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Den Männern fehlen – Männer

Frauen verarbeiten einen gravierenden Verlust – etwa eine Scheidung – besser, wenn sie gute Freundinnen haben, an denen sie in ihrem Schmerz Halt finden. Verarbeiten auch Männer einen solchen Verlust besser, indem sie mit ihren Freunden darüber reden? Nein, sie probieren es erst gar nicht. Auch sie kommen über die Krise besser hinweg, wenn sie gute Freundinnen haben, an denen sie in ihrem Schmerz Halt finden. Vor den Kumpels wird die Blamage eher versteckt. Sehr viel mehr Männer als Frauen entwickeln sich nach einer Liebeskränkung zu Stalkern und verfolgen die Ex. Immer wieder werden sie auch gewalttätig – viel, viel [...]

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Mobbing zum Leben?

In Primitivkulturen sterben Menschen, die glauben, verhext zu sein, einen psychogenen Tod, den sie sich aus eigenem Entschluss nicht antun könnten. In Hochkulturen gedeihen Phantasien über ein von der Medizintechnik aufgezwungenes, von Schmerz und Scham getränktes Vegetieren. Der Arzt wird dann zur gnadenlosen Autorität, die den Wunsch zu sterben ähnlich abweist wie ein Militär den Wunsch des Soldaten, die Front zu verlassen. Debatten über Sterbehilfe, wie sie auch 2011 wieder auf dem Ärztetag in Kiel geführt wurden, wären überflüssig, wenn Menschen generell in der Lage wären, sich ein Ende nicht nur zu wünschen, sondern ihr Leben auch diesem Wunsch zu unterwerfen. Aber im Normalfall entzieht sich der Tod der Macht des eigenen Willens und bleibt der Macht Dritter unterworfen.

Das kalte Herz

Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle
Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle In der Konsumgesellschaft leidet die seelische Reife. Die moderne Geldwirtschaft arbeitet gegen die Gefühle der Menschen. Der Kapitalismus zerstört die Empathie. »Dichter sehen noch zusammen, was die Wissenschaft trennt«, schreibt Wolfgang Schmidbauer in seinem neuen Buch. Von den früh vollendeten Dichtern, deren Tod Phantasien weckt, was aus ihnen noch alles hätte werden können, ist Wilhelm Hauff einer der bekannteren. Als sein wichtigstes Märchen gilt Das kalte Herz, Teil der Märchensammlung

Wie wir wurden, was wir sind

Psychogramm der Deutschen nach 45
60 Jahre Bundesrepublik - drei Generationen von Menschen, die gearbeitet, geliebt und gelitten haben. Um diese innere Biografie des Landes geht es Wolfgang Schmidbauer. Unter dem genauen Blick des Psychologen entdecken wir ein soziales Gemeinwesen, dem eine erstaunliche Dynamik eingeschrieben ist...

Eventkultur

Ereigniskonsum als Abwehrritual in der globalisierten Gesellschaft

Herausgegeben von Harald Pühl und Wolfgang Schmidbauer

Ein Solidaritätskonzert für Afrika, die Präsentation eines neuen Automodells, der nächtliche Kinostart von Harry Potter – ohne Event läuft heute nichts mehr. Alle möglichen und unmöglichen Formen von Ereignissen, Veranstaltungen, Jubiläen werden als Event zelebriert – im Wettlauf um die öffentliche Wahrnehmung. Heerscharen von Event- und PR-Spezialisten nutzen das Event als emotionale Mobilisierung für ihr jeweiliges Anliegen.

Der öffentliche Raum ist beherrscht von einem hektischen Wechsel hochgespülter Themen. Der Satz eines Politikers, eine medienwirksam präsentierte Studie, die Vogelgrippe oder die nächsten Wahlen scheinen für einen Moment alles andere an Wichtigkeit und Dringlichkeit zu [...]

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