Alle Artikel mit dem Schlagwort: Konsumkritik

„Komm! ins Offene, Freund!“

Zur Psychologie der Offenheit
In dem Hölderlin-Vers steckt eine zentrale Aussage zur Psychologie der Offenheit: Sie ist bezogen auf den Freund, auf ein Gefühl, nicht allein aufzubrechen, sich nicht isoliert der Unsicherheit auszusetzen, sondern begleitet von Wohlwollen. Offenheit und vertrauensvolle Beziehungen gehören zusammen. Nun ist aber Vertrauen, wie Niklas Luhmann sagte, eine riskante Vorleistung. Wenn wir die aktuelle Situation in Europa betrachten, kann einem bange werden um die Zukunft der offenen Grenzen zwischen den Nationalstaaten, auf die wir eine Weile so stolz waren. Ähnliches gilt für die Offenheit für Verfolgte.

Die Bedeutung der Handarbeit für den Kopf

Der Mensch verdankt seine Intelligenz zum guten Teil den werkzeugschaffenden, geschickten Händen. Die freiwillige, selbstgesteuerte, die von wohlmeinenden und kundigen Eltern dem Kind auferlegte Handarbeit ist ein unverzichtbares Mittel, unseren Kontakt mit der Wirklichkeit zu verbessern, unsere Triebenergie in konstruktive Bahnen zu lenken und unsere Persönlichkeit zu entwickeln.

Die Bewertung von Handarbeit als „primitiv“ und geistesfern, die seit dem griechischen „Banausos“ für den Handwerker im abendländischen Denken nachweisbar ist, erscheint unter diesem Gesichtspunkt nicht nur töricht, sondern auch gefährlich. Sie gehört in eine vorindustrielle Epoche, in der es noch keine Kraftmaschinen gab, alle Menschen gehen oder reiten mussten und die [...]

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Nie mehr allein mit Bäumen

Wenn ein Zeitreisender aus den siebziger Jahren heute hier landen würde, wäre ihm vieles vertraut. Der Englische Garten sieht seit zweihundert Jahren nicht viel anders aus als heute, Autos gab es 1970 weniger, Jogger auch, aber die Mütter schoben ihre Kinderwagen, die Hunde spielten miteinander und die Radler kümmerten sich nicht darum, dass manche Wege nur für Fußgänger waren – leben und leben lassen.

Nur in diesem Punkt würde der Zeitreisende glauben, dass viele Spaziergänger verrückt geworden sind: sie führen Selbstgespräche, manche laut, mache verhalten; einige haben die Hand am Ohr, andere sprechen in die Verdickung eines erst bei näherem [...]

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Dumme Dinge oder wie die Konsumwelt unsere Intelligenz ruiniert

- oder wie die Konsumwelt unsere Intelligenz ruiniert
Eine gekürzte Version dieses Artikels ist in der Ausgabe 03/12 von "Psychologie heute" erschienen
Es ist eine abgründige Frage, warum Menschen das Richtige erkennen, es billigen – und dann doch das Falsche tun. Sie wurde viele hundert Jahre lang von Moralisten gestellt und bezog sich auf das Handeln von Individuen, die beispielsweise wissen, dass Ehebruch verboten ist, diese moralische Haltung auch gegenüber ihrem Partner vertreten – und dann fremd gehen.

Das kalte Herz

Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle
Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle In der Konsumgesellschaft leidet die seelische Reife. Die moderne Geldwirtschaft arbeitet gegen die Gefühle der Menschen. Der Kapitalismus zerstört die Empathie. »Dichter sehen noch zusammen, was die Wissenschaft trennt«, schreibt Wolfgang Schmidbauer in seinem neuen Buch. Von den früh vollendeten Dichtern, deren Tod Phantasien weckt, was aus ihnen noch alles hätte werden können, ist Wilhelm Hauff einer der bekannteren. Als sein wichtigstes Märchen gilt Das kalte Herz, Teil der Märchensammlung

Das Unbewusste und der Wald

Vortrag auf der Tagung: Blätterwald – Wald in den Medien

Dem Naturentzücken und der Ursprungsschwärmerei angesichts des Waldes hält die Wissenschaft gerne entgegen, dass der Wald in Europa genau so Kulturlandschaft sei wie Felder oder Fischteiche. Aber dennoch ist es etwas Eigentümliches mit dem Wald. Er ist anders, und das liegt an den Bäumen.

Weil sie in der Regel länger leben und größer werden als der Mensch, flössen sie uns Achtung und Ehrfurcht ein, gemischt mit Angst, denn der unbewaffnete Mensch kann einem Baum nichts anhaben, der Baum aber auch den Bewaffneten erschlagen, vor allem, wenn ihm die Elemente -Sturm oder Schnee – zu Hilfe kommen. Wenn nach einem Unwetter [...]

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Alte Hosen und leere Marmeladengläser

Von Pablo Picasso wird erzählt, dass er auch kleine Rechnungen – etwa in einem Restaurant – mit Scheck bezahlte. Er rechnete damit, dass die Bedienungen den Scheck nicht einlösen würden, eine signierte Grafik von Picasso! So zahlte er, ohne zu zahlen. Man hatte ihm ein Essen geschenkt!

Es gibt noch eine zweite Geschichte dazu: Als eines Tages seine junge Geliebte Francoise Gilot zwei uralte, ewige Zeiten nicht mehr getragene Hosen des Künstlers wegwarf, kam dieser spätabends strahlend nach Hause: „Stell dir vor, ich habe zwei gute Hosen in der Mülltonne gefunden, was die Leute alles wegwerfen!“. Er hatte sie nicht [...]

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Weniger ist manchmal mehr

Zur Psychologie des Konsumverzichts

In diesem Buch sind zwei bearbeitete Vorläufer zusammengefasst: Das erste konsumkritische Buch in Deutschland, das vor allem ökologisch argumentierte („Homo consumens“, 1972), und ein Text über ökologische Aspekte der Psychotherapie, der 1984 in der Reihe „fischer-alternativ“ erschien und später vergriffen war.

Der konsumkritische Text wurde 1972 noch sehr belächelt; später sind manche Positionen Allgemeingut geworden. In dem Text über Ökotherapie geht es darum, die Widersprüche zwischen wirtschaftlichen Interessen und der emanzipatorischen Aufgabe einer Psychotherapie aufzuklären, die den Patienten unabhängig macht, d.h. ihn von der angebotenen professionellen Dienstleistung emanzipiert.

Eine Neubearbeitung dieses vergriffenen Titels haben wir unter dem alten Titel „[...]

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