Alle Artikel mit dem Schlagwort: Helfer

Amok im Alltag

Am letzten Tag ihres Kurzurlaubs mit ihren zwei schulpflichtigen Töchtern auf einem Reiterhof bei Murnau fuhr die 47jährige Ärztin Dagmar O. auf einem schmalen, zugeparkten Weg von St. Alban am Ammersee in Richtung Riederau. Sie musste anhalten, weil sich vor ihr ein Ehepaar mit Hund ins Auto zwängte. Ein Radler auf einem Montainbike quetschte sich zwischen den Fahrzeugen durch, beschädigte den Außenspiegel an ihrem Wagen und fuhr weiter.

Dagmar O. schrie ihm nach. Der Radler zeigte ihr den Stinkefinger. Ein Passant sagte: „Fahren Sie ihm nach, den kriegen Sie noch.“ Dagmar O. wendete und verfolgte den Radler über fast zwei [...]

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Hilflose Helfer

Über die seelische Problematik helfender Berufe

Dieses Buch wurde 1977 schnell zum Bestseller; heute sind fast dreihunderttausend Exemplare verkauft.

Das damals von mir geprägte Wort vom “Helfersyndrom” ist inzwischen, oft völlig aus diesem Kontext gelöst, Teil der Alltagssprache geworden. Allerdings wird meine These dabei meist plakativ missverstanden, etwa in dem Sinn, dass Helfer neurotisch sind oder auch nur aus egoistischen Motiven handeln.

In Wahrheit geht es darum, die besonderen seelischen Risiken der helfenden Berufe genauer zu erkennen, nicht zuletzt aus psychohygienischen Gründen. Denn die in persönlichen Problemen wurzelnde und daher zwanghaft und ohne Realitätsorientierung funktionierende Helfer-haltung ist eine wesentliche Ursache der etwas später zuerst in den [...]

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Berufsrollen unter Druck

Vortrag für die Tagung der Gefängnispsychologen in München
Sollbruchstellen und Stresszonen in Institutionen

Warum sind Erdbeben und Vulkanausbrüche nicht gleichmässig nach dem Zufallsprinzip über die Oberfläche des Planeten verteilt, sondern treten an bestimmten Punkten mit viel höherer Wahrscheinlichkeit auf als an anderen? Die Geologen erklären uns das damit, dass die Erdkuste nicht stabil und überall gleich dick ist, sondern sich aus verschiedenen Schollen zusammensetzt, die auf dem glutflüssigen  Erdinneren „treiben“ – freilich in der dem Geologen vertrauten minimalen Geschwindigkeit.

Dennoch gibt es hektische Ereignisse. Sie machen sich als Erd- oder Seebeben bemerkbar, wenn sich zwei dieser treibenden Schollen verhakt haben [...]

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Wenn der Tagtraum zur Sucht wird

Verzicht fällt dem Menschen schwer; er gibt Wünsche ungern auf. Wenn er es tun muß, sucht er, sich zu entschädigen – er schafft sich ein Doppelleben, eine zweite Existenz, in der Wünsche erfüllt werden, ohne daß die Realitätsprüfung einschreitet. Unser Wissen, dass das alles nicht wirklich ist, beeinträchtig die Lust nicht, sondern gibt ihr nur eine andere Qualität.

Freud sagte: „Die Schöpfung des seelischen Reiches der Phantasie findet ein volles Gegenstück in der Einrichtung von ‚Schonungen‘, ‚Naturschutzpark‘ dort, wo die Anforderungen des Ackerbaues, des Verkehrs und der Industrie das ursprüngliche Gesicht der Erde rasch bis zur Unkenntlichkeit zu verändern drohen….Alles [...]

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Helfersyndrom reloaded

Erschienen in: Psychologie heute, Januar 2009
Von Alfred Adler wird erzählt, dass eines Tages ein Mann in seine Praxis kam. „Ich leide an einem Minderwertigkeitskomplex, Herr Dr. Adler“, soll der Hilfesuchende gesagt haben. „Wissen Sie, was das ist?“ Adler wusste es nur zu gut, denn er hatte diesen Begriff formuliert. Mit dem Helfersyndrom ist es nicht viel anders. Ein Pflegelehrer hat mich einmal gefragt, ob ich wüsste, dass alle seine Schüler immer wieder vom Helfer-Syndrom reden, als sei das eine Störung, die andere haben, sie aber nicht.