Alle Artikel mit dem Schlagwort: Geschichte

Eine neue Unfähigkeit zu trauern?

Die Deutschen scheinen sich besonders schwer zu tun im würdevollen Umgang mit den Opfern terroristischer Anschläge

Wer von dem Berliner Anschlag hörte, dachte wohl zuerst: Jetzt auch bei uns! Obwohl schon im Januar 2016 die Bombe eines Terroristen in Istanbul zehn deutsche Reisende in den Tod riss, war Berlin verschont geblieben, anders als Paris, Brüssel oder Nizza. Was Anlass zu den folgenden Überlegungen gibt, ist der öffentliche Bezug zu den Opfern, der merkwürdig kühl und auch schwächlich erscheint, wenn wir ihn beispielsweise mit den Tagen in Frankreich nach dem Angriff auf Charlie Hebdo vergleichen.

In den Medien dominierte nach der Tat die Frage nach dem Versagen der Geheimdienste und der Polizei, die einem erkannten „Gefährder“ den [...]

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Die deutsche Ehe

In der deutschen Ehe entfaltet sich eine Dynamik, die allgemein wie speziell, sehr modern und doch die historische Folge sozialer Traditionen ist. Über 25 Prozent aller Ehen in Deutschland sind binational. Eine Kulturgeschichte der deutschen Ehe und wie nationale und kulturelle Eigenarten unsere Beziehungen beeinflussen.

Raubritter und Piraten

Hätte der Rechtsstaat in der Weimarer Republik ordentlich funktioniert, wäre Deutschland das nationalsozialistische Regime erspart geblieben: Verhaftet und des Hochverrats überführt, wurde Adolf Hitler zu einer rechtswidrig geringen Strafe verurteilt. Dem Gericht gefielen seine nationale Rhetorik und sein Hass gegen die sozialdemokratische Regierung, auch wenn es die Tat selbst nicht ignorieren konnte. So verhängte es weder die Todesstrafe noch das Zuchthaus, wie es im Gesetz stand, sondern eine Art ritterliche Haft, die Hitler nutzte, um sich zu erholen und sein Comeback zu planen.

Es ist richtig, dass die Justiz nicht das große Gut ist, sondern das kleinere Übel. Und dass [...]

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Die Geschichte der Psychotherapie

Von der Magie zur Wissenschaft

Es mag mit meinem frühen Interesse für (Kunst)Geschichte zusammenhängen, das schon während meiner Gymnasialzeit entstand, dass für mich die Geschichtsforschung immer die beste Möglichkeit ist, einen Gegenstand kennenzulernen. So hat mich die Geschichte der Psychotherapie schon beschäftigt, als ich selbst noch nicht praktisch in diesem Feld arbeitete, sondern zwischen Deutschland und Italien ein Wanderleben als Journalist und Autor führte. Aus diesen Interessen, die damals zu einigen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften (z.B. über Schamanismus und Psychotherapie, über archaische Riten und Gruppenpsychotherapie) führten, entstand der Gedanke, ein Buch über die Geschichte der Psychotherapie zu schreiben. Der erste Titel „Psychotherapie – Ihr Weg von [...]

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Freuds Dilemma

Die Wissenschaft von der Seele und die Kunst der Psychotherapie

In diesem Buch geht es um die Spannung zwischen wissenschaftlicher Fundierung und künstlerischer Praxis der Psychoanalyse bzw. der Psychotherapie. Sie wird an einer kunsthistorischen Fehlleistung Freuds aufgezeigt.

Dieser hat den Gegensatz der Skulptur, die durch Wegnehmen arbeitet, gegenüber Plastik und Malerei, die etwas hinzufügen, nicht – wie es richtige wäre – mit Michelangelo, sondern mit Leonardo da Vinci verknüpft. Es lässt sich nachweisen, dass ein mit der Metapher des „Wegnehmens“ (der Psychoanalyse) und „Hinzufügens“ (der Suggestion und stützenden Behandlung) formulierter Gegensatz keineswegs so klar ist, wie ihn Freud mit rhetorischen Kunstgriffen zu formulieren suchte. Erst wenn wir diesen Schematismus überwinden, [...]

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Mythos und Psychologie

Zum 100jährigen Jubiläum des Verlages hat mich Ernst Reinhardt eingeladen, meine 1970 dort erschienene Dissertation neu herauszugeben.

Ich habe das mit viel Freude und Einsatz gemacht, weil mich das Thema immer noch interessiert und ich in letzter Zeit, im Zusammenhang mit meinen Interessen für die Psychoanalyse von Institutionen und Organisationen, auch in dieser Richtung weiter geforscht habe.

In dem Buch wird die psychologische Deutung von Mythen dargestellt und kritisch geprüft, wobei das Hauptbeispiel der Ödipus-Mythos ist. Das Ergebnis, kurz gefasst: Der mythische Ödipus handelte wahrscheinlich nicht aus der Dynamik heraus, die Freud später als Ödipuskomplex beschrieben hat.

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Der Mensch Sigmund Freud

Ein seelisch verwundeter Arzt?

Warum noch eine Freud-Biografie? Von Jones bis Gay und Clark haben die Biografen Freud mit den Instrumenten seiner eigenen Methode erfasst. Sie haben den Ödipuskomplex gedeutet und seine Selbstanalyse übernommen.

Aber die Psychoanalyse hat sich weiterentwickelt. So will ich versuchen, Freud neu zu sehen. Ich will ihn anders sehen, als er selbst sich sehen konnte, denn er hat zwar den Begriff des Narzissmus eingeführt, aber nur sehr wenig davon auf sich selbst und sein Verhalten zu den Schülern angewandt. Ich hoffe auf diese Weise das Verständnis dafür zu vertiefen, warum die Psychoanalyse durch Freud so geschaffen wurde, wie es geschah.[...]

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Freuds Utopie und die Aktualität der Psychoanalyse

Zum 150. Geburtstag von Sigmund Freud

Freud wurde am 6. Mai1856 geboren, im Todesjahr von Heinrich Heine. Seine Jugend in Wien war von einer Epoche bestimmt, in der die Utopie einer friedlichen, von Wissenschaft und Bildung getragenen, liberalen und multikulturellen Gesellschaft zum Greifen nahe schien. Seit 1848 hatte sich die Lage der Juden in der Donaumonarchie stetig verbessert, um 1867 waren alle Reste rechtlicher Diskriminierung aufgrund der Religionszugehörigkeit beseitigt worden (die bis dahin beispielsweise jüdische Hebammen in nichtjüdischen Haushalten verboten). Juden waren wählbar, sie stellten Bürgermeister der liberalen Partei, „jeder fleissige Judenknabe (trug) also das Ministerportefeuille in seiner Schultasche“, wie [...]

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