Autor: W.S.

Sexuelle Gewalt und männlicher Narzissmus

Nicht nur unter Migranten drohen Entgleisungen, wenn sich Männer als Verlierer im sozialen Fortschritt erleben

Die Silvesternacht in Köln, ein paar Wochen vor dem Karneval, Feierlaune, Betrunkene, die nicht vorsichtig genug mit ihren Böllern und Raketen umgehen – und plötzlich kippt die Szene, wird zum sexualisierten Mobbing, zur spontan organisierten männlichen Kriminalität gegen Frauen. In der Folge schrille Fragen nach dem Zusammenprall von Kulturen, dem Umgang mit Migranten. Auf Veranstaltungen der rechten Szene wird ein T-Shirt verkauft, auf dem eine Frau vor Männern flieht; Text: Rapefugees not welcome. Die Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof haben ein Phänomen nach Deutschland transportiert und unter ein politisches Vergrößerungsglas gelegt, das sich an vielen Orten in der Welt schon geraume [...]

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Der Kleiderbaum von Wolfsburg

In einem älteren Reisebericht über Australien habe ich die Geschichte steht die Geschichte vom Kleiderbaum gefunden. Sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, weil sie einen kulturellen Abwehrmechanismus anschaulich macht, den ich auch aus der Familientherapie kenne: die Tochter kann sich nicht offen gegen die Mutter durchsetzen, die sie nach ihren Vorstellungen „korrekt“ einkleidet. So führt der Schulweg erst einmal in die heimische Garage oder zu einer Freundin, wo die zerissenen Jeans und das sexy T-Shirt versteckt sind.

Der australische Kleiderbaum steht irgendwo im Busch nahe einer Station, in der die Missionare den Eingeborenen Mehl und Zucker nur dann spenden, wenn [...]

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Coaching in der Liebe

Neue Spielregeln für ein Leben zu zweit
Moderne Partner müssen sich gegenseitig unterstützen, um den Mangel an äußerem Halt in Traditionen auszugleichen. Wolfgang Schmidbauer zeigt überzeugend und mit vielen Beispielen aus seiner langjährigen therapeutischen Praxis, wie Paare mithilfe der Erkenntnisse des Coachings Potenziale in der Liebe neu entdecken und für sich nutzen können.

Nie mehr allein mit Bäumen

Wenn ein Zeitreisender aus den siebziger Jahren heute hier landen würde, wäre ihm vieles vertraut. Der Englische Garten sieht seit zweihundert Jahren nicht viel anders aus als heute, Autos gab es 1970 weniger, Jogger auch, aber die Mütter schoben ihre Kinderwagen, die Hunde spielten miteinander und die Radler kümmerten sich nicht darum, dass manche Wege nur für Fußgänger waren – leben und leben lassen.

Nur in diesem Punkt würde der Zeitreisende glauben, dass viele Spaziergänger verrückt geworden sind: sie führen Selbstgespräche, manche laut, mache verhalten; einige haben die Hand am Ohr, andere sprechen in die Verdickung eines erst bei näherem [...]

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Befreiung aus der Ohnmacht

Was veranlasst Menschen dazu, anderen Menschen bedingungslos zu helfen?

Aggression erregt mehr Aufmerksamkeit als Hilfsbereitschaft. Man muss nur an die Textseiten und Sendeminuten denken, die eine Pflegekraft auf sich zieht, welche einen Schwerkranken vergiftet. Damit verglichen scheint das Interesse für die Krankenschwester minimal, die ihre Patienten aufmerksam betreut. Ähnlich gegensätzlich wirkt die mediale Aufmerksamkeit für die Folgen des Zustroms von Flüchtlingen nach Europa. Einer wird viel diskutiert: die Anschläge auf Unterkünfte und die rassistischen Äußerungen rechter Politiker. Der andere vollzieht sich eher im Verborgenen: die vielfältige Hilfsbereitschaft Freiwilliger, die – an Stunden gemessen – die kriminellen Aktionen aussehen ließe wie eine Pfütze neben dem Meer.

Warum helfen Menschen anderen [...]

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Die deutsche Ehe

In der deutschen Ehe entfaltet sich eine Dynamik, die allgemein wie speziell, sehr modern und doch die historische Folge sozialer Traditionen ist. Über 25 Prozent aller Ehen in Deutschland sind binational. Eine Kulturgeschichte der deutschen Ehe und wie nationale und kulturelle Eigenarten unsere Beziehungen beeinflussen.

Über das Schwärmen

Es gibt schöne deutsche Wörter, die viel anschaulicher sind als unsere wissenschaftlichen Begriffe und doch aus der Mode kommen. Aber es hat auch seinen eigenen Reiz, herauszufinden, warum das so ist. Schwarm und schwärmen ist ein Begriffspaar, das altertümlich anmutet und doch von zeitloser Eleganz ist. In den Romanen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts schwärmten die Mädchen im Internat für den Schnurrbart des Musiklehrers und die Damen im Theater für die Stimme des Tenors. Ein Mädchen- oder Frauenschwarm zu sein, verlieh dem Mann einen zerbrechlichen Glanz, raubte ihm aber auch etwas an Ernsthaftigkeit.

Nicht, dass nicht auch Frauen [...]

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Rituale

Vortrag im Rahmen der Sommerakademie des Moreno-Instituts

Zusammenfassung:
Aus dem Einfluss ödipaler Szenen wird das Modell unbewusster Rituale entwickelt, um die Dynamik von Paaren zu erschließen. In der Paartherapie wird deutlich, dass die Idealisierung eines Partners während der Phase der Verliebtheit solche frühen Einflüsse verarbeitet. Krisen der Partnerschaft lassen sich durch die Arbeit an diesem Geschehen aufklären und bewältigen. Es ist davon auszugehen, dass im Kontext der Identifizierungen während der Verarbeitung der ödipalen Dynamik nicht nur Einzelpersonen und deren spezifische Qualitäten introjiziert werden, sondern auch emotional aufgeladene Interaktionen zwischen den Eltern. Sie prägen das spätere Beziehungserleben in seiner Dynamik von Idealisierung, Entwertung und dem Mittelweg des Rituals.[...]

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