Bücher, Psychologie
Kommentare 1

Er hat nie darüber geredet

Das Trauma des Krieges und die Folgen für die Familie

Irgendwann fiel mir auf, dass die Geschichten, welche Patienten über abwesende, stumme, kranke, cholerische, arbeitswütige Väter und Mütter erzählen, mit den seelischen Traumen der Kriegs- und Nachkriegszeit zusammenhängen.

Ich fing an, systematischer nachzuforschen, beschäftigte mich mit den Beschreibungen von Kriegstraumen in der Literatur und mit der Familiendynamik, die durch Anwesenheit eines seelisch derart gestörten Familienmitglieds entsteht; schliesslich kam ich auch zu einer neuen Hypothese über die Folgen massiver Traumen („Seelische Zentralisierung“, d.h.Preisgabe von Differenzierungen, von Phantasie und Empathie zugunsten schematischer, schneller Bewertungen und blindem Aktionismus).

Dank einiger jüdischer Patientinnen und Patienten, die mit einer ganz anderen Form familiärer Traumatisierung belastet waren, konnte ich auch Unterschiede in den Verletzungen der Täter und der Opfer herausarbeiten. Kinder freilich sind zunächst immer ihren Eltern ausgeliefert und werden durch den Verlust an Einfühlung, Phantasie und Zuversicht belastet, wie er Traumatisierte kennzeichnet.

Auch als eBook erhältlich

Bei Amazon bestellen

1 Kommentare

  1. Monika S. sagt

    Lieber Herr Schmidbauer,
    nachdem ich mich schon lägere Zeit mit Ahnenforschung beschäftige und jetzt weis, dass meine Mutter
    aus einem kleinen deutschen Dorf bei Belgard stammt ( Donauschwaben) und sich dort in einen
    deutschen Soldaten verliebte, den Vater meines Bruders, interessiert mich das Buch “ Er hat nie darüber geredet“ ganz besonders. Leider musste der junge Mann wieder zurück in den Krieg und musste
    nach Kriegsende festellen, dass seine Frau längst einen Anderen hatte, mit dem sie bereits wieder schwanger war und er alles, seine Eltern, seinen Patenonkel, seine Frau und nun auch seinen Sohn verloren hatte. Durch das Rote Kreuz habe ich ihn nun gefunden. Erst ist zwar längst tot, aber er bekam noch weitere Kinder, die meinem Bruder sehr ähnlich sehen. Leider ist es für meinen Bruder zu spät, den er hatte letztes Jahr einen Schlaganfall bei dem sein Stammhirn geschädigt wurde und meine Schwägerin will nicht, dass ich ihm von seinen Halbgeschwistern erzähle.

    Ich werde jetzt gleich ihr Buch in unserer Bücherei bestellen und freue mich aufs Lesen.

    Es grüßt Sie ganz herzlich
    Monika S.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.