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Das Christkind in der Krippe …und die Eltern, Ochs und Esel

Nachdenkliches über die Liebe zwischen Eltern und Kind

Kann es sein, dass Kinder die natürlichen Feinde der Eltern sind? In eben dem Sinn, in dem Papst Bonifatius VIII (er regierte die Kirche 1294 bis 1303) in der Bulle Clericis laicos erklärt hat, dass „die Laien den Klerikern bitter feind sind“. Alles Übertreibungen? Das von der Geburt des Erlösers geprägte „Fest der Liebe“ kann aber doch zum Anlass werden, über die Problematik nachzudenken, die Themen wie die Liebe zum Kind und die Liebe zwischen Kindern und Eltern umgibt.

Die moderne Liebesbeziehung und mit ihr der Mythos der Ehe beruhen auf dem heimlichen Vertrag, sich Wünsche von den Augen abzulesen. Dann kommt das Baby, hoffnungsvoll erwartet als Siegel und Krone dieser Liebe. Aber das Baby liest nicht still von den Augen der Eltern ab, was sich diese wünschen. Es schreit.

Was sich bisher still und erfreulich an Bestätigung, an Erotik zwischen den Eltern wie selbstverständlich webte, zerreißt an diesem Schrei. Wie der Magnetberg im Märchen von Sindbad die Nägel aus den Schiffen, so zieht das Kind alle Anteile aus der Liebe der Partner an sich, die bisher kindliche Erwartungen erwachsener Menschen erfüllten. Der Kummer, der Ärger darüber sind mächtige Störfaktoren. Sie führen dazu, dass entgegen der Sprichwortweisheit von dem Kind, das die Ehe zusammen hält, inzwischen die Geburt eines Kindes der häufigste Anlass für eine frühe Scheidung geworden ist. Eine belastbare Beziehung erträgt die Störung durch das Baby mit knapper Not. Eine wenig belastbare Liebe zerbricht.

Die meisten Paare bewältigen den Stress durch das Kind, vor allem die, welche sich den noch größeren Stress ungewollter Kinderlosigkeit ausmalen können. Wir sollten das aber nicht als gewöhnliche Leistung abtun, sondern respektvoll betrachten, wie sie das geschafft haben. Sie mobilisieren Gegenkräfte. Sie schützen ihre erotische Verbindung, indem sie intensiver über sie sprechen, sich verabreden, einen Bereich schaffen, in dem das Baby nichts zu suchen hat.

Eine stillende Mutter, die ihr Baby dem Sitter anvertraut und sich mit Milchpumpe und Mann in die Honeymoon-Suite einmietet, ist auf einem besseren Weg als ihre Schwester, die den liebeshungrigen Partner mit dem Satz abspeist, sie brauche jetzt einen Vater für das Kind und kein zweites Baby.

Wenn die Eltern zusammenhalten, gelingt etwas wie ein gesundes Wachstum der Familie, die sich jetzt um die Kinder erweitert hat und ihre Energie darauf richtet, dass alt und jung kooperieren. Solange die Eltern in ihrer Erotik ein Band haben, das Lust und Halt gibt, fällt es später auch den Kindern viel leichter, ihre eigenen Wege zu gehen.

Väter und Mütter werden von kleinen Kindern durch strahlende Bewunderung verwöhnt. Aber später müssen sie ertragen, dass sie für den pubertierenden Nachwuchs zwar nach wie vor unentbehrlich sind, aber nicht mehr wie Götter behandelt werden, eher wie Nutzvieh. Insofern ist es prophetisch, wenn sich in bayerischen Krippen nicht allein Maria und Joseph um das Jesuskind kümmern, sondern im Hintergrund auch Ochs und Esel darauf warten, die Last zu tragen.

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2 Kommentare

  1. Rosmarie Niesler sagt

    Sehr geehrter, lieber Herr Schmidbauer,

    herzlichen Dank wieder für diesen bodenständigen und doch so tiefsinnigen Artikel!

    So, genau so in eben diesem Dilemma habe ich mich selbst erlebt und so erlebe ich auch in meiner Arbeit im Kindergarten die Eltern!

    Die ‚alten‘ pädagogischen Regeln/Prinzipien‘ passen nicht mehr! Eltern sind grundsätzlich überfordert – durch die ’normale‘ Erziehungsaufgabe, u. im Besonderen im Zusammenhang mit den modernen Begleiterscheinungen der Angebote, Reize, Überflutungen, Aufgaben, Erwartungen und Entscheidungen, finanzieller, zeitlicher u. praktischer Organisation und noch vielem mehr ….!

    Es ist sehr erfrischend und beruhigend zugleich, diese klare und treffende Abhandlung zu lesen, in Worte gefasst zu erkennen, was man bisher nur irgendwie gemerkt hatte!

    Herzliche Grüße
    Rosmarie Niesler

  2. Ludwig Thomas Lausbubengeschichten oder die von Hugo Nefe zeigen uns ja auch ganz intensiv, dass es in einer polaren Welt Gegenpole geben muss: die Lehrer und die Schüler, gradso wie die Eltern und die Kinder.
    Erstere schreiten dagegen ein, wenn es in der Schule zu lebendig wird, und die zweiten sorgen dafür, dass das Leben nicht zu schulig wird.
    Die AEltern sind zu sehr in der Materie steckengeblieben und die Kinder bringen ein wenig mehr himmliche Leichtigkeit ins Leben zurück.
    Die Pubertät ist dann notwendig um beiden Seiten zu zeigen, wie wenig sie vom Leben gelernt haben. Sie machen es sich gegenseitig schwer statt zu schauen, wie´s leicht geht.
    Wer vom Leben nicht lernt, dem erteilt es seine Lektionen.
    Wer wie Ochs und Esel die Nase nicht zu hoch trägt, müsste doch sehen, wie das Jesulein in der Krippe den Lausbuben und -mädchen stets ermunternd zublinzelt.
    Laus tibi, Jesu!
    Franz Josef Neffe

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