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Freunde bleiben, Feinde werden?

Seelenzustände nach Trennung und Scheidung

Es gibt Türen, durch die man sehr viel leichter eintreten kann, als man später hinauskommt. Die Ehe ist eine davon. Die Kosten der Urkunde sind minimal, verglichen mit den Beträgen, die bei einer Scheidung fällig werden. Daher will beides realistisch bedacht sein, die Bindung wie die Trennung. Von diesem Trennungsrealismus soll hier die Rede sein.

Dass er Not tut, ist einsichtig. Zu oft entbrennen ausdauernde und kostspielige Kämpfe, die nach einem Hollywood-Streifen „Rosenkrieg“ genannt werden. Die Rose ist das Symbol der Liebe, war aber zwischen 1455 und 1485 das Symbol heftiger Kämpfe um die britische Krone zwischen der roten Rose im Wappen von Lancaster und der weißen Rose von York. Als die Rosenkriege zu Ende waren, war auch die Hälfte des britischen Hochadels ausgerottet.
In dem Film wird sehr anschaulich gezeigt, was passiert, wenn zwei ehrgeizige, erfolgreiche und selbstbezogene Menschen entdecken, dass die Liebe zwischen ihnen geschwunden ist, aber nicht über diesen Verlust trauern können. Sie fangen an, sich als Opfer zu fühlen und den Partner anzuschuldigen. Dieser wehrt sich seiner Haut – und schon ist aus dem Liebespaar ein Hasspaar geworden, das die einst für den Aufbau der Liebesbeziehung eingesetzte Energie gegen den Partner richtet.

Familienrichter können von Bankdirektoren berichten, die lieber ihren Beruf aufgeben und ihr Vermögen ihrer Mutter überschreiben, als ihrer Ex-Frau Unterhalt zu bezahlen. Strafrichter beschäftigen sich mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs, die Auseinandersetzungen um das Sorgerecht vergiften. Wo in der Liebe alles gut sein musste, wird im Hass alles schlecht.

Die moderne, individualisierte Ehe stellt sehr viel höhere Anforderungen an eine Fähigkeit, die in traditionellen Kulturen noch nicht einmal einen Namen hat: Die Verarbeitung von Ambivalenz, die Toleranz für Ambiguität. In arrangierten Ehen, wie sie etwa im Osten noch üblich sind, mögen die Partner darunter leiden, dass sie einander nicht frei wählen konnten. Dafür werden sie aber an einer anderen Stelle entlastet: sie müssen sich keine Vorwürfe machen, welche Torheit sie geritten hat, dass sie ausgerechnet mit dieser unerträglichen Person den Bund fürs Leben geschlossen haben. Es fällt ihnen auch viel leichter, in Ehekonflikten Hilfe bei den eigenen Eltern zu suchen, denn diese sind ja mit verantwortlich für die neue Familie. In Europa hingegen tut sich ein Partner, der seine Liebste gegen den Widerstand der Eltern geheiratet hat, nachher extrem schwer, sich in einem Ehekonflikt Trost und Rat bei Eltern zu holen, die schon von Anfang an gegen diese Verbindung waren.

In der modernen Ehe sind die Partner stark und kreativ, so lange sie sich gegenseitig stützen. Verlieren sie aber diese Stütze, ist jeder sehr einsam und Ängsten ausgeliefert, die mit seiner plötzlichen Isolation zusammen hängen. Angst macht Menschen rücksichtslos und grausam, wie wir etwa nach Massenpaniken feststellen können, in denen die Starken die Schwachen buchstäblich zu Tode quetschen. Angst ist der schnellste, heftigste, für das Überleben wichtigste Affekt. Wir haben Angst, verlassen zu werden, schutzlos zu sein, später: schwächer zu sein, eine Niederlage zu erleiden, das Ansehen in unserer Bezugsgruppe zu verlieren und damit Gefühlen der Scham, Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit ausgeliefert zu sein. Und wir tun in der Regel (fast) alles, damit diese Angst ein Ende hat.

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