Bücher, Gesellschaft
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Das kalte Herz

Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle

In der Konsumgesellschaft leidet die seelische Reife. Die moderne Geldwirtschaft arbeitet gegen die Gefühle der Menschen. Der Kapitalismus zerstört die Empathie.

»Dichter sehen noch zusammen, was die Wissenschaft trennt«, schreibt Wolfgang Schmidbauer in seinem neuen Buch. Von den früh vollendeten Dichtern, deren Tod Phantasien weckt, was aus ihnen noch alles hätte werden können, ist Wilhelm Hauff einer der bekannteren. Als sein wichtigstes Märchen gilt Das kalte Herz, Teil der Märchensammlung Das Wirtshaus im Spessart. Der Held dieses Märchens, der Kohlenmunk-Peter, will gerne mehr sein, als er ist, weshalb er sein Herz an einen Sendboten des Bösen verkauft, den Holländer-Michel, der das Holz aus dem Schwarzwald teuer in Holland verkauft und so der Repräsentant einer frühen Globalisierung wird. Symbol dafür ist das Herz aus Stein, das reich macht – und kalt bleibt, wenn die Armen klagen.

Wie Peter sein Herz wiedergewinnt und was wir heute tun (und lassen) müssen, um unsere Gefühle nicht ganz zu verlieren, darüber gibt uns Wolfgang Schmidbauer in seiner luziden, mit zahlreichen Beispielen aus Familien- und Liebesbeziehungen ergänzten Analyse überzeugend Auskunft.

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Interview im Zeitmagazin:
„Unser Lebensgefühl ist Unsicherheit“

3 Kommentare

  1. Petra Mayr sagt

    Endlich ein Buch, das die fatalen psychischen „Nebenwirkungen“ eines Wirtschaftssystems auf die Gesellschaft beleuchtet. Endlich Erklärungen für den drastischen Anstieg von gesellschaftlichen Erkrankungen und psychischen Störungen wie Depression, Stalking und Mobbing.

    Es ist schon ein bitterer Widerspruch, dass ausgerechnet unsere Kulturfähigkeit, die auch das Geld als neutrales Äquivalent für Waren hervorgebracht hat, uns letztlich wieder auf unsere animalische Natur zurückwirft. Der Raubtierkapitalismus kennt nur Jäger und Gejagte und das inmitten der Zivilisation. Kein Löwe hat Mitleid mit der Gazelle und kein betrügerischer Banker mit seinem betrogenen Kunden. Ein Mangel an Empathie und Gefühlskälte sind dann nur allzu natürliche Schutzreaktionen des Menschen auf solche Verhältnisse.

    Dennoch; vielleicht spürt die an der falsch praktizierten Geldwirtschaft erkranke Gesellschaft woran es ihr mangelt. Die Modebegriffe „emotionale Intelligenz“ und „positives Denken“ (Vgl. S.9) mögen Widersprüche in sich sein. Man kann sich aber fragen, warum sie überhaupt in Mode gekommen sind. Die Wertschätzung von Intelligenz – besonders gerne als IQ in Zahlenform dingfest gemacht – ist seit Jahren ungebrochen. Emotionalität dagegen gilt eher als unkontrollierbarer Störenfried. Geradezu ein Hemmnis bei der immer wieder eingeforderten Versachlichung von allem und jedem.

    Hinter der Etablierung des Begriffs der „emotionalen Intelligenz“ könnte sich der etwas hilflose Versuch verstecken, die als Verlust wahrgenommene Emotionalität wiederzubeleben und sie gleichsam mit der Intelligenz „aufzuwerten“. Der Aufruf zum „positiven Denken“ wirkt eher wie ein gesellschaftlicher Selbstheilungsversuch gegen Depression. Sagt doch „positives Denken“ als Forderung aus, dass vielfach nur noch negative Gedanken den Kopf bevölkern, gegen die es anzugehen gilt. Der Versuch dieses Problem mit radikalem Gegensteuern zu beheben ist freilich den Bock zum Gärtner machen. Selbst wiederum Ausdruck einer technisierten Starrheit und Naturwissenschaftsgläubigkeit der Gesellschaft. Wer schlecht drauf ist, denkt falsch. Also richtig denken! So einfach ist das…. Schön wärs.

    Vielen Dank für „Das kalte Herz“. Mir hat sich vieles erschlossen, was mir bislang nicht klar war.
    Dr. phil. Petra Mayr

    • Frank Müller sagt

      „Wer schlecht drauf ist, denkt falsch. Also richtig denken! So einfach ist das…. Schön wärs.“

      Die Psyche der Menschheit ist tatsächlich ein Phänomen, denn es fällt den meisten natürlich schwer, über sich selbst nachzudenken. Es ist sehr viel einfacher seine Unzufriedenheit auf andere zu projizieren. Wir werden in unserer Erziehung durch die Gesellschaft verbogen, um zu funktionieren. Das „Erwachen“ fängt in der Regel erst an, wenn man in ein Loch gefallen ist, und es wäre gut, wenn man an dieser Stelle einen Helfer hat, einen Freund oder ein Buch.

      „Die bitterste Art Erkenntnis zu gewinnen, ist die durch Erfahrung.“ (Buddha)
      Wo liegt der Ursprung alles Leidens der Menschheit? Es ist die Angst vor Verlust.
      Schön wenn es solche Bücher gibt (Das kalte Herz), aber gelesen wird es in der Regel erst, wenn man in dem Loch liegt. Ich habe eine Menge Bücher gelesen, und möchte hier mal 3 Empfehlungen machen. „Das Ende des Geldes (Franz Hörmann)“ deckt gesellschaftskritisch die Geldschöpfung als vorsätzlichen Betrug auf. Ferner möchte ich von der Psyche her die Bücher empfehlen „Suche nichts finde alles“ (Kinslow) und Eckhart Tolle „Jetzt, die Kraft der Gegenwart“. Auch einen sehr schönen Film möchte ich nicht unerwähnt lassen „Ein Reiseführer ins Erwachen“.

      Alles hat mir sehr geholfen, meinen inneren Frieden zu finden, in einer Gesellschaft, in der die Trennung der Menschheit vollzogen ist, obwohl doch alle insgeheim nach demselben suchen, der Liebe.

      LG

  2. Dr. Gerhard Bott sagt

    Lieber Wolfgang Schmidbauer,
    Ihr neues Buch lese ich mit grossem Interesse und Zustimmung. Es geht wiederum an die Wurzel, und zwar der manipulierten Psyche, wie der Struktur unserer aktuellen Gesellschaften. Einst befand Erich Fromm. „Wir leben in einer Gesellschaft , in der eine gesunde Wirtschaft nur um den Preis kranker Menschen möglich ist“ . Die Ursachen dieses Befundes beschreiben und begründen Sie überzeugend, unabweisbar und auf den neuesten Stand der Erkenntnis gebracht. Die Geissel des Geldes und die Angst sind zu den wirksamsten Herrschafts-Instrumenten geworden . Es bleibt abzuwarten, wie weit die Leidensfähigkeit der Opfer geht . Vielleicht finden Sie Interesse an meinem Buch (2009) „Die Erfindung der Götter“, in dem ich die Methoden der Herrschaft und deren Ideologie historisch aufzuarbeiten mich bemüht habe.
    Vielen Dank für Ihre Konsequenz
    mit freundlichen Grüssen
    Gerhard Bott

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